Eine Winternacht auf der Lokomotive.

Von Max Maria von Weber

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"Wer fährt heut' den Nachtschnellzug?" fragte der Inspektor, kurz vor Mitternacht aus der Tür seines behaglichen Kabinetts in die Abfahrtshalle heraustretend, in die ein schneidender Nordostwind feines Schneegestöber hereinwehte. Der Schnellzug stand vor dem breiten, stattlichen Bahnsteig, die Türen der weniger eleganten Wagen erster und zweiter Klasse, aus denen der Zug bestand, waren geöffnet und ließen in dem matt beleuchteten Inneren der Abteile die wunderlichen Pelz- und Faltenmassen halb erkennen, welche die Sitze der Nachtschnellzüge im Winter erfüllen und aus denen nur hier und da eine rotgefrorene Nase oder ein atmender Mund hervorschaut und noch seltener das verschlafene, um sich blinzelnde Gesicht eines erwachenden, verdrossenen Passagiers sich erhebt, der im Zweifel, ob er sich in Prag, Dresden oder Hannover befinde, den Schaffner nach Zeit, Ort und dem Grunde fragt, "warum so lange gehalten werde?"

"Wer fährt den Nachtschnellzug?" fragt der Inspektor, der am Zuge entlang schreitet. "Der alte Zimmermann," tönt die Antwort zurück und zugleich drängt sich eine kurze, dick in einen Lederpelz, um den ein Riemen als Gurt geschnallt ist, gehüllte Gestalt zwischen dem Geländer der Maschine und dem Tender hervor und salutiert dem Inspektor. Der "alte" Zimmermann ist ein Mann im Lebensalter der höchsten Mannesrüstigkeit, aber ein alter Lokomotivführer; denn während eines Vierteljahrhunderts, auf der rüttelnden, tobenden Maschine stehend, in Wetter und Sturm, Hitze und Kälte und Regen einen Weg zurückzulegen, der zwanzigmal um den Erdball reicht, das ist eine Arbeit, die schnell zum Greise macht.

Zimmermann hebt bei den schwankenden, matrosenartig breitspurigen Schritten, mit denen er herankommt, beschwerlich die vom Stehen auf der Maschine schwach gewordenen Beine, die in dicken Filzstiefeln stecken.

Er hat die Pelzmütze tief über die Ohren gezogen und ein Tuch um Genick und Hals gewunden. Aus den unbehilflichen Hüllen schaut ein kleiner Teil eines gutmütigen Gesichtes. Die Augenlieder sind verschwollen, das Weiße der lebhaften Augen gereizt und gerötet.

"In fünf Minuten sind wir fertig, wie steht’s mit Ihnen, Zimmermann?" fragte der Inspektor. "Verdammt kalt, Herr! 15 Grad schlecht gemessen," entgegnete dieser, "hab' mein Direktions-Warmbier schon im Leibe; meine Luise bringt mir aber noch einen Kaffee mit Rum, den trink' ich, während ich meinen "Greif" noch einmal revidiere und schmiere; Teufel! Gegen diesen Nordost wird heute der Schnee stechen, als würde man mit Schuhzwecken aus Blaseröhren beschossen! Da ist die Luise schon!" - Ein kleines Weib, dick beschneit, läuft in der Tat mit einem Handkorbe eilends über den Perron, knickst vor dem Inspektor und packt dann, eilends mit dem Lokomotivführer nach der Maschine schreitend, den Kaffeetopf aus, dessen Inhalt sie ihm einschenkt, während er seine mächtige Schnellzugmaschine, die mit den glühenden Augen ihrer großen Laternen feindlich hinaus in das Schneegestöber starrt, die Ölkanne in der Hand, nochmals umschreitet, jeden Teil nochmals befühlt, sich überzeugt, ob Öl in allen Schmiergefäßen, der Rost gehörig von Schlacke gereinigt, die Siederohre des Kessels von Asche befreit, nichts locker und nichts zu eng angezogen und sein "Greif" imstande sei, seine Riesenglieder geschmeidig spielen zu lassen, seine 150 Pferdestärken frei zu entwickeln und seinen gewaltigen Leib mit der daran hängenden Last, über 2000 Zentner schwer, mit Adlerschnelligkeit durch die Sturmnacht fortzureißen.

"Will die Verwaltung immer noch nicht dran, euch armen Kerls Schutzkabinen auf die Maschinen zu bauen?" fragt der Inspektor den Lokomotivführer; "ihr müßt barbarisch da vorn in einer solchen Winternacht leiden." - "JA, ja, die Herren in ihrem Sitzungszimmer wissen's nicht, wie ein Schneewind schneidet." Antwortet der Führer aus seinen Tüchern dumpf heraus, "und meinen, wir hörten und sähen nichts in dem Häuschen. Ob man wohl besser mit verbundenen Ohren hört, mit entzündeten Augen sieht?" setzte er lachend hinzu, auf den Kopf deutend, und dann: "Fertig Herr! Sie können's Zeichen geben lassen." Der Inspektor winkte, die Bahnhofglocke jagt mit grellen Schellenlaut nochmals die Schläfer in den Wagen empor und ihre letzten Töne verschwimmen in dem noch abscheulicheren, langgehaltenen Pfiffe der Maschine, "Gott behüt' dich, Zimmermann," sagt die Frau, dem auf der Maschine stehenden Führer noch die Hand reichend. - "Gute Nacht, Frau! Denk an mich, wenn Ihr warm liegt." - "Du armer Kerl." - Er legt die bepelzhandschuhte Faust auf den Regulator, ein Ruck, die Maschine setzt sich in Bewegung, stöhnend, wie widerwillig, folgen ihr die Wagen, puffend bläst sie die erste Dampfwolke gegen das Dach der Halle, die zweite schon in das Schneegestöber, daß die Flocken, wie entsetzt empor gerissen, auseinander stieben. Heulend fällt der schneidende Sturm die beiden schweigenden Männer auf der Maschine, den Lokomotivführer und den Heizer, an und schießt ihnen wie Eisnadeln, horizontal fast, die im Scheine der Lokomotivlampen glitzernden und wie Millionen kleine, kalte Quälgeister tanzenden Schneeflocken ins Gesicht. Der Führer sieht sich um, ob auf dem Zuge alles recht und in Ordnung. Der Schein der beleuchteten Wagenfenster gleitet über den Schnee. - Wie behaglich muß es in den gepolsterten, warmen Abteilen sein! - Auf den Wagen wie schwarze Klumpen sitzen Schaffner in Pelze und Mäntel vergraben; der Sturm fährt mit wüstem Zischen zwischen Räder und Wagen durch.

Die roten Lichter der Signale an den Ausweichungen gleiten langsam vorüber, jetzt hat der Zug das letzte derselben hinter sich und ist auf freier, offener Bahn.

Rabenfinster, sturmtobend, schneedurchrieselt liegt die Nacht vor dem Führer, kaum den Schornstein seiner Maschine kann er sehen. Welche Gefahren birgt diese Finsternis für ihn? Hat ein Arbeiter eine Hacke auf der Bahn liegengelassen? Hat der Sturm einen Signalbaum umgelegt oder einen Wagen von einer Station auf die Bahn herausgetrieben? Hat der Druck der Schneewehen die Telegraphenleitung gestürzt? Oder ist nur eine Ausweichung nicht auf dem rechten Geleise? Hat eine aus dem Boden sickernde Quelle einen Eisklumpen auf dem Geleise gebildet?

In allen diesen Fällen ist er in höchster Gefahr des Leibes und Lebens, und wenn er jetzt den Regulator weiter öffnet und die Maschine schneller und schneller puffend und keuchend in die Finsternis der Nacht hineinjagt, in der das Heulen des Sturmes auch jeden Warnruf der Signale verschlingt, schneller und schneller, bis ihre dröhnenden Räder kaum mehr die Schienen zu berühren scheinen, so rast er solcher Gefahr blindlings entgegen. Ganz allein in Gottes Hand - - nichts steht ihm zur Seite, als sein Mut, seine Wachsamkeit und seine Entschlossenheit. Und so steht er denn auf der dahinjagenden Maschine, den Blick, trotzdem der Sturm und Schnee seine entzündeten Augen geißelt, auf den eng begrenzten Schein gerichtet, den die Laternen der Lokomotive mit zitterndem, blau hingezogenem Strahl auf die Bahn werfen und der beim windschnellen Lauf der Maschine die Pfähle der Telegraphenleitung in gerade herabschießende Blitze wandelt und Bahnhäuser, Gebüsch, Felswände, Brücken wie in wilder Hast auf ihn losstürmende Gespenster aus der Nacht emportauchen und eilends wieder versinken macht.

Zuweilen blinken, wie rot auftauchende, freundliche Sterne, Lichter aus Hütten nahegelegener Dörfer herüber. - "Wie warm und sicher und traulich muß es um diese herum sein!" - doch da sind sie schon wieder verschwunden in einem wilden Wirbel aufgepeitschten Schnees oder in rußigen Massen Dampf, die die Maschine wind abwärts schleudert und die sie wallend und wälzend begleiten wie die Dämonen ihrer eigenen Hast und Eile.

Vorbei! Vorbei! Vorwärts! Er öffnet den Regulator weiter, rascher noch wird das Tempo der rasselnden Schläge, eilender noch schießt der Zug in die Nacht hinein. - "Feuern!" ruft er, nachdem der Flug eine Viertelstunde gedauert, seinem Heizer durch den Sturm zu, der den Schall vom Munde jagt, so daß das noch dazu von Prasseln, Zischen, Klappern und Heulen übertäubte Wort kaum das Ohr des Nächststehenden zu erreichen vermag.

Der Heizer steht, träumend vor sich hinstarrend, an der Bremse des Tenders und hört ihn nicht. "Gärtner! Feuern!" schreit ihm da Zimmermann zu, ihm die Hand auf den Arm legend. Dieser fährt empor und greift nach der Kohlenschaufel, während der Führer die Tür der Lokomotivfeuerung aufreißt. Ein ungeheures glänzendes Lichtbündel fährt aus der weißglühenden Feuermasse durch die Tür fast senkrecht nach dem Himmel empor, verwandelt die Dampfmasse in eine wilde, rot glühende Jagd der Hölle und berührt mit seinem Strahlenbüschel das tief hinziehende Schneegewölk. In dem Glutlicht duckt sich die dunkle Gestalt des Heizers etwa zehnmal hin und her, jedes mal aus dem Tender die schwere Kohlenschaufel füllend und sie in die Feuerung ausstürzend. Er hat etwa zwei Zentner neues Brennmaterial in die weißglühende Masse geworfen. Der Lokomotivführer schließt die Feuertür, das Strahlenbündel, daß aus ihr schoß, erlischt und erhitzt und aufatmend tritt der Heizer an seinen Posten zurück, während eine ungeheure, prachtvolle Funkenmasse wie die schönste Feuerwerkssonne dem Schornstein entströmt, dessen gewaltiger, künstlicher Zug die leichteren Teile des frisch aufgeworfenen Brennstoffes, rasch entzündet, als zischende Funken in den Schneesturm hinausschleudert.

"Was haben Sie denn, Gärtner?" schreit der Führer dem Heizer ins Ohr, "Sie sehen und hören heute ja nicht! Passen Sie auf!" "Ach, Herr Zimmermann," schreit Gärtner zurück, "mir geht's schlecht! Meine Frau liegt zu Hause in schwerer Krankheit, halb tot, die Schwester die sie pflegt, ist krank geworden - jetzt ist sie mit der zehnjährigen Hedwig ganz allein - und ich mußte fort zum Dienst - Gott allein kann helfen!" -

Der Führer wendet sich ab und zieht die Pelzmütze tiefer über die Augen. - "Da ist Wolfsberg," sagt er nach einiger Zeit, als die roten und weißen Lichter einer Station durch das Schneewirbeln vor ihnen aufzuschimmern beginnen. - Er pfeift und gleich darauf poltert der Zug unter das überhängende Dach des Perrons der Station.

Eilend umschreitet er hier seine Lokomotive und beleuchtet prüfend ihre dicht mit Schneebrei bedeckten Teile, von denen er oft mit der Hand erst die kalte Decke wegstreichen muß, um sie sehen zu können. Da ruft der Stationsheizer, der indessen unter der Maschine mit dem Ausharken der Schlacke aus dem Roste der Feuerung beschäftigt ist: "Herr Zimmermann, der Rost des "Greif" ist so dick heut' verschlackt, ich komme nicht durch damit in den vier Minuten Aufenthalt!" Rasch springt der Führer, mit dickem Pelz und Mütze angetan, in die Schürgrube hinab, packt die schwere Feuerkrücke mit, und sie in die Feuermasse des Rosts, die weißglühende Hitze herabstrahlt, hineinstoßend, arbeitet der schwerbekleidete Mann angestrengt und hastig, bis das Feuer wieder in vollkommen regelrechtem Zustande ist. Nach wenigen Minuten steigt er keuchend und schweißtriefend aus der Grube. - "Abfahrt!" ruft der Oberschaffner. Es läutet. Auf die Maschine klimmt der Mann, dessen Lungen noch von der Anstrengung atmend fliegen und dem der Schweiß unter der Pelzmütze vorrieselt.

"Pfeifen!" und hinaus geht es wieder unaufhaltsam in die eiskalte Schneesturmnacht, die mit fünfzehn Grad kalter, schneidender Zugluft die schweißgetränkten Haare in wenigen Sekunden in starrende Eisnadeln verwandelt. -

Vorwärts! Vorwärts!

Der Sturm hat aufgefrischt. Er jagt von den großen Flächen der Dammböschungen den staubartigen, feinen Schnee empor, der auf der Fläche der Bahn wie in wilden Wogen dahinjagt, deren Brandungen an die eilende Maschine anschlagen., und hoch über ihren Schornstein hinwirbelnd, die stillen Männer mit immer neuen Fluten von stechenden Eisnadeln überströmen oder sich an windstillen Orten heimtückisch zu lockeren Windwehen zusammenlagern. Im voraneilenden Lichte der Lokomotivlaternen prallen diese plötzlich wie weiße, über die Bahn liegende Mauern gespensterisch aus der Nacht empor und jagen dem beherztesten Führer jedes mal, wenn er mit seiner Lokomotive in die weiche, unheimliche Masse hineinstürmt, einen Schauder durch die Seele. Hoch bäumen sie sich vor der wild durchbrechenden Maschine auf und überschütten sie mit solchen Schneemassen, daß die Männer auf ihr sich am Geländer festhalten müssen, um nicht durch ihren wuchtigen Schlag herabgeschleudert zu werden.

"Es schneit stark," sagen die Passagiere, die, im Wagen einen Augenblick erwachen und sich streckend, ein Fenster, an das sie den Schnee knisternd anschlagen hören, mit der Wagenquaste zu säubern suchen. "Wir fahren schlecht," fügen sie, gähnend nach der Uhr sehend, hinzu, "ekelhaft, das Nachtreisen im Winter!" - wickeln sich in die weichen Pelze und drücken die Köpfe in die weichen Wagenecken. -

Vorwärts! Vorwärts!

Die Teile der Lokomotive tropfen, aus dem Schornstein, von den Sicherheitsventilen, der Pfeife, den Pumpen spritzt Wasser fein zerteilt ab, das hier an der Maschine herabrieselt und an ihren außenliegenden Teilen gefriert oder vom Sturm weggeblasen wird, dort aber Pelz und Mütze der Männer übersprüht, die schweigend auf dem Trittbrett stehen.

Nach und nach behängt sich die Maschine mit schweren Eiszapfen, alle Zwischenräume füllen sich mit hartgefrorenem Schnee und der Blick in die Teile der Maschine wird schwieriger und unsicherer.

"Ich glaube, die Pumpen frieren zu bei diesem Wetter," sagt Zimmermann. "Wir wollen sie ein wenig spielen lassen." Er will die Hand nach den Griffen ausstrecken, den Kopf dahin wenden, fühlt aber die kräftige Faust am Körper festgehalten und empfindlichen Schmerz am Kinn. Die nasse Kleidung der Männer hat sich in einen starren Eispanzer verwandelt. Bart und Pelz sind in eine Eismasse zusammengeronnen, die dicke Pelzmütze ist zu einem drückenden Helme geworden, an den Augenwimpern hängende Eiskügelchen lassen die Lichter der auftauchenden zweiten Station in tausend Farben spielen. Sie reißen die am Rock festgefrorenen Ärmel los, sie strecken prasselnd und knisternd die Glieder, sie tauen die am Lippenbarte hängenden Eiszapfen im Munde auf, der, selbst halb erstarrt, nur schwierig Worte artikuliert.  

"Station Rodenkirchen! Zwei Minuten. - Vorwärts! Vorwärts!" - Unablässig weht der Schneesturm, dicker werden die Eiskrusten der Pelze, schwerer die immer mehr auf den Schultern lastenden Kleidung, müder die erschütterten, durchdröhnten Glieder.

Die Stationen spinnen sich langsam ab, die Entfernungen scheinen mit der Ermüdung zu wachsen.

Unaussprechliche Schlafsucht beschleicht die Männer. - "Ja, gleich, Malchen - - !" ruft der Heizer Gärtner plötzlich in die Schneesturmnacht hinaus - er hatte stehend genickt und geträumt, er sei daheim bei seinem armen kranken Weibe.

"Gärtner! Gärtner!" fährt ihn der Führer an, dem selbst vor einer Minute war, als verwandelte sich das Heulen des Nordost in das Stiftungslied des Gesangvereins zu Lindensteg, dessen eifriges Mitglied er ist. - -

Und die Männer reißen die müden, entzündeten Augen auf, entsetzt über die empfundenen gefährlichen Anwandlungen, die sich dennoch unwiderstehlich wiederholen - - "Gottlob, es ist bald vorüber! Noch eine halbe Stunde." - -

Vorwärts! Vorwärts!

"Alter Greif," sagt Zimmermann zu seiner Maschine, die dick beeist, mit Schnee überzogen, mit verschlacktem Roste schwerer und schwerer ihre Pflicht erfüllt, "wir kommen heute beide wie Eisbären an, beide erstarrt, durchfroren, todmüde - das war eine böse Nacht für uns beide - du sollst Pflege haben, sauber gemacht werden von Rad zu Schornstein und ich - ich will mich wärmen und auftauen! - Gott sei Dank, da ist Hochfeld, die Endstation!

Mühsam hob er den erstarrten Arm im steifgefrorenen Ärmel, um zu pfeifen, als die Gebäude der großen Station im ungemütlichen Lichte eines stürmischen Wintermorgen, mit hier und da noch in den Fenstern glimmenden Lichtern, dicken Eiszapfen an den Dächern und mit all ihrer Öde und Unbehaglichkeit zum Vorschein kamen.

Dröhnend rollte der Zug mit den letzten Atemzügen der fast verlöschenden Maschine in die nur spärlich erleuchtete Halle. Der Inspektor steht im Morgenpelze verdrießlich auf dem Perron. Mühsam sich bewegend, starr und kältematt, reicht ihm Zimmermann die Kursuhr herab. "Sie kommen 20 Minuten zu spät," knurrt der Inspektor, "Sie haben die Fahrtprämie verloren. -"

"Es war eine böse Nacht, Herr Inspektor," sagte der halb erfrorene Führer.

- "Ja, es tut mir leid," erwiderte der Inspektor, "Gaussings Maschine ist schadhaft geworden, bringen Sie den alten "Greif" in Ordnung; in einer halben Stunde müssen Sie den Schnellzug zurück übernehmen." - Todmüde, durchfroren, sofort den ganzen Weg zurück, und der Schneesturm tobt nach wie vor! --

Das ist Lokomotivführerdienst in Winter!

* * *

Worterklärung:

Tender = an die Lokomotive angehängter Kohlenwagen

Schuhzweck = Schuhnagel

Regulator = Vorrichtung am Dampfkessel, die das Zuströmen des Dampfes regelt

Ausweichung = Weiche, Wechsel; Vorrichtung den Zug auf ein anderes Geleise zu leiten

Schürgrube = in der Station fährt die Maschine über die zwischen den Schienen befindliche Schürgrube, von der aus vom Rost mittels einer Feuerzange (-krücke) die Schlacken herausgestoßen oder gekratzt (geharkt) werden.

auffrischen = an Kraft zunehmen

Sicherheitsventil = Verschluß, den der Dampf hebt, um entweichen zu können, wenn er zu starken Druck auf die Wände des Kessels ausübt.

Die Ortsnamen wurden vom Verfasser geändert!

 

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