Die Minnesänger.

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Die Minnesänger waren meist arme Adelige, die mit der Harfe oder Geige von Burg zu Burg, von Fürstenhof zu Fürstenhof wanderten, auf den Straßen und in den Burgen ihre Lieder anstimmten, die sie zumeist selbst dichteten. Die Lieder handelten von der Liebe oder Minne - darum auch der Name - von der Schönheit der Frauen und des Frühlings, von den Heldendaten der Männer, zuweilen auch von den öffentlichen Ereignissen und Zuständen.

Die Minnesänger waren zwar meist willkommene Gäste auf den einsamen Burgen, aber ihr Wanderleben war doch recht mühselig und aufreibend, besonders wenn die Beschwerden des Alters kamen. Darum sehnten sich die meisten nach einem eigenen Haus und Hof, nach einer bleibenden Stätte, die sie sich meist als Geschenk von den Fürsten erbaten. Der größte deutsche Minnesänger war Walther von der Vogelweide. Er lebte um das Jahr 1200 und war ein Österreicher.

Das folgende Gedicht in mittelhochdeutscher Sprache stammt von ihm.

* * *

Ich hân lande vil gesehen

unde nam der besten gerne war:

übel müeze mir geschehen,

künde ich ie min herze bringen dar,

daz im wol gevallen

wolte fremeder site.

nû waz hulfe mich, ob ich unrehte strite?

tiuschiu zuht gât vor in allen.

Von der Elbe unz an den Rîn

und her wider unz an der Unger lant

mugen wol die besten sîn,

die ich in der werlte hân erkannt,

kann ich rehte schouwen

guot gelâz und lip,

sam mir got, sô swüere ich wol daz hie diu wîp

bezzer sint dann' ander frouwen.

Tiusche man sint wol gezogen,

rehte als engel sint diu wîp getân.

swer sie schiltet, der'st betrogen:

ich enkan sîn anders niht verstân.

tugent und reine minne,

swer die suochen wil,

der sol komen in unser lant: da ist wünne vil.

lange müeze ich leben dar inne!

* * *

Übersetzung.

Lande hab' ich viel gesehen,

Nach den Besten blickt' ich allerwärts;

Übel möge mir geschehen,

Wenn sich je bereden ließ' mein Herz,

Daß ihm wohlgefalle

Fremder Lande Brauch;

Wenn ich lügen wollte, lohnte mir es auch?

Deutsche Zucht geht über alle.

Von der Elbe bis zum Rhein

Und zurück bis her an Ungarland,

Da mögen wohl die besten sein,

Die ich irgend auf der Erden fand.

Weiß ich recht zu schauen

Schönheit, Huld und Zier,

Hilf mir Gott, so schwör ich, daß sie besser hier

Sind als anderer Länder Frauen.

Züchtig ist der deutsche Mann,

Deutsche Frau'n sind engelschön und rein;

Töricht, wer sie schelten kann,

Anders wahrlich mag es nimmer sein;

Zucht und reine Minne,

Wer die sucht und liebt,

Komm' in unser Land, wo es noch beide gibt:

Lebt' ich lange nur darinnen!

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