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Aus Rosegger's "Heimgarten", Oktober 1916, 41. Jahrgang S155/156




Wer hat Andreas Hofer erschossen?


Von Prof. M. Mayr, Innsbruck.

Andreas Hofer war am 20.Februar 1810 um 11 Uhr vormittags in Mantua den Heldentod gestorben. Von einem Grenardierbataillon begleitet, ein Kruzifix in der Hand, war er zum Richtplatz geführt worden. Eine Augenbinde hatte er zurückgewiesen und stehend hatte er selbst das Kommando gegeben, worauf ihn zwölf Schüsse niederstreckten und ein dreizehnter Gnadenschuß aus unmittelbarster Nähe tötete. Soviel war bisher über den Vollzug des napoleonischen Bluturteils an dem Helden Tirols bekannt.

Erst vor einigen Jahren wurde durch die Veröffentlichung eines Werkes über die Soldaten aus dem damaligen Herzogtum Luxemburg in den Heeren Napoleons I. von 1792 bis 1815 (Karl Schrack, Les Luxembuorgeois soldat de la France) Näheres über Hofers letzte Augenblicke bekannt.

Michael Eiffes, der Sohn eines wohlhabenden Landwirtes aus dem malerisch gelegenen Befort bei Echternach in Luxemburg, Feldwebel bei den Grenadieren des 2. Bataillons des 13. Linienregimentes in Mantua, hatte den traurigen Auftrag erhalten, mit 12 Mann das Todesurteil zu vollziehen. Er berichtet in seinen persönlichen Aufzeichnungen, daß er, auf dem Richtplatz angekommen, im entscheidenden Augenblicke nicht den Mut fand, das todbringende Kommandowort zu sprechen. Als infolgedessen der starkmütige Hofer selbst „Feuer“ kommandierte, zielten die erregten Grenadiere so ungeschickt, daß sich Eiffes genötigt sah, sein eigenes Gewehr anzuschlagen. Er gab Hofer einen Schuß ins Ohr.

Michael Eiffes ist im Jahre 1780 geboren und starb am 21. Oktober 1821 als angesehener Bürgermeister seines Heimatdorfes Befort. Vom Jahre 1800 bis 1814 hatte er fast alle großen Schlachten Napoleons mitgemacht, war 1813 zum Unterleutnant beim 1. Bataillon seines Grenardierregimentes befördert worden und zeichnete sich als solcher in der Völkerschlacht bei Leipzig aus. Im Jahre 1806 hatte er sich an der Eroberung der Festung Laibach hervorragend beteiligt, im Jahre 1809 nahm er an den Kämpfen in Tirol und an der Schlacht bei Wagram teil, wo er einen Bajonettstich erhielt und gefangen genommen wurde, bald aber wieder zu seinem Korps nach Italien zurückkehrte.


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